Tag-Archiv für 'mehrheitsgesellschaft'

„Die müssen nich unbedingt hier hin, weil hier is ja n Wohngebiet“

Der deutsche Mob rottet sich wieder vor Asylwohnheimen. Zwar nicht mehr – oder zumindest noch nicht wieder – mit Steinen, Holzlatten oder Brandsätzen, dafür jedoch wie eh und je voller Ressentiment und Projektion. Das „außergewöhnliche“ am Ganzen: nicht vor bewohnten Asylwohnheimen wird in entmenschlichend-rassistischer Weise gegen „die Ausländer“ protestiert, sondern gegen ein Asylwohnheim in spe. Hier in Leipzig sollen nämlich Flüchtlinge direkt in der Innenstadt untergebracht werden, was eine vergleichsweise fortschrittliche Maßnahme wäre, denkt man zurück an schlechtere Tage, in denen es noch gang und gäbe war, dass asylsuchende Menschen in verlassenen Kasernen in abgelegenen Wäldern untergebracht wurden (sog. „Jungelheime“), wo sie teilweise viele Jahre abgeschnitten von jeglicher städtebaulicher Infrastruktur dahinexistieren mussten und auch heute in manchen Bundesländern noch müssen.1 Das bedeutete oftmals keine Einkaufsmöglichkeiten zu haben, dass keine Gesundheitsversorgung in unmittelbarer Nähe gewährleistet war und den Kindern der Schulbesuch verunmöglicht war. (mehr…)

Wie bio-deutsch sind Bio-Deutsche wirklich? – Eine Begriffsbestimmung

Deutsche Kartoffel

Seitdem Cem Özdemir den Begriff „Bio-Deutscher“ vor einiger Zeit in die Öffentlichkeit trug, hört man diesen immer mal wieder. Nein, nicht so oft wie etwa das Wort „Migrantin“ oder „Asylsuchender“ – aber es ist ja bekanntlich auch schwierig in hegemonial geführte Diskurse einzugreifen oder sich auch nur zu Wort zu melden. So wird der Begriff „bio-deutsch“ mitlerweile vor allem von politisch engagierten MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund, wie man so schön sagt, verwendet um auf ein bestimmtes Verhältnis zwischen ihnen und eben den so sogenannten Bio-Deutschen aufmerksam zu machen. (mehr…)

Gegen Antisemitismus

Aktionswoche gegen Antisemitismus

In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938, also vor 72 Jahren, fand in Deutschland die sog. Reichspogromnacht statt. Die von den Nationalsozialisten initiierte und von breiten Massen der Bevölkerung mitgetragene reichsweite Zerstörung jüdischer Geschäfte, Privatwohnungen und Synagogen, sowie Misshandlungen, Vergewaltigungen und Ermordungen von Jüdinnen und Juden, stellte nur den vorläufigen Höhepunkt des deutschen Antisemitismus dar. In den folgenden Wochen würden mehrere zehntausende Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager deportiert werden, um die „Arisierung“ der Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben und durch deren Enteignung die Kriegsvorbereitungen finanziell zu stützen. Aber dies nur als Erinnerungskultur am Rande.

Rund um den 09. November veranstaltet die Amadeu Antonio Stiftung auch dieses Jahr wieder eine „Aktionswoche gegen Antisemitismus“. Dabei wird es „eine Vielzahl von Veranstaltungen zu historischen und vor allem zu zeitgenössischen Formen des Antisemitismus geben“. Eine besondere dieser „zeitgenössischen Formen“ ist die oftmals als Kritik getarnte Israelfeindschaft – der Schwerpunkt in diesem Jahr. Bereits im Vorfeld wurde auf dem Zeit.de-Blog „Störungsmelder“ von Jan Riebe (Koordinator der AKtionswochen) ein, wie ich finde, sehr guter Text zum Thema Antisemitismus als Phänomen der „Mehrheitsgesellschaft“ veröffentlicht. Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen ihn zu lesen. Es lohnt sich: „Man wird ja wohl noch Israel kritisieren dürfen…?!“