Archiv der Kategorie 'Theorie & Philosophie'

Das beschnittene Recht des Kindes. Zur Beschneidungsdebatte

Ein Jahr liegt die sogenannte Beschneidungsdebatte nun schon zurück. Und nun, „ein Jahr, nachdem kritische Positionierung relevant und riskant gewesen wäre“ konnte man mit großer Verspätung dann auch in der neuen Prodomo (# 17) sowie der neuen Polemos (# 5) noch etwas „materialistisch angehauchtes über Recht, Staat und Nation“1 zum Thema lesen. Ich selber hatte mich zugegebenermaßen seit der Ankündigungen auf diese Beiträge gefreut, da ich mit einer wenn auch zögerlichen aber doch noch vernünftigen Positionierung gerechnet hatte. Am relevanten Kern des Themas, nämlich der Frage, wie das Verhältnis vom Recht auf Kindeserziehung und Schutz des Kindes vor gewissen Erziehungspraxen in diesem Fall abzuwägen wäre, gehen allerdings im Prinzip alle Ausschweifungen vorbei. (mehr…)

Notiz zu Nietzsche

„Denken wir den Gedanken in seiner furchtbarsten Form: das Dasein, so wie es ist, ohne Sinn und Ziel, aber unvermeidlich wiederkehrend, ohne ein Finale ins Nichts: „die ewige Wiederkehr“. Das ist die extremste Form des Nihilismus: das Nichts (das „Sinnlose“) ewig!“

Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen I

Auch wenn Nietzsche nicht in der Lage war, zu charakterisieren woher diese „extremste Form des Nihilismus“ entstammt, weil er nicht fähig war das Kapitalverhältnis als Basiseigenschaft dieser Gesellschaft zu Grunde zu legen: in diesem Satz kommt Nietzsches ganze Fähigkeit zum Ausdruck, seine eigene Unfähigkeit, sein Unverständnis über die materiellen Gegebenheiten dieser Gesellschaft beiseite zu schieben und den Charakter dieses Verhältnisses trotzdem sehr präzise zu benennen. Was im Vergleich zu Marx‘ polit-ökonomischer Diagnose ein wenig diffus und wenig abstrakt klingt, ist hier mit Nietzsche gewissermaßen sehr viel lebendiger, sehnsüchtiger und dadurch vielleicht auch ausdrucksstärker zu Blatt gebracht.

Da Nietzsche, so weit ich weiß, nichts von Über- und Unterbau wusste, konnte er „die Summe der Empfindungen, Kenntnisse, Erfahrungen“ nur als „ganze Last der Kultur“ begreifen, die „so groß geworden [sei], dass eine Überreizung der Nerven- und Denkkräfte die allgemeine Gefahr ist, ja dass die kultivierten Klassen der europäischen Länder durchweg neurotisch sind und fast jede ihrer größeren Familien in einem Gliede dem Irrsinn nahe gerückt ist.“

Was würde der arme Mann wohl sagen, wenn er heute noch leben würde oder in die Zukunft hätte blicken können. Vermutlich hätte er seine Suizitgedanken bei Zeiten verwirklicht.

Changing Mind Paradigms

In meinem letzten Beitrag ging es noch hauptsächlich um das allgemeine Schulsystem. Dass die dort angesprochenen Probleme nicht nur Schulen, sondern auch Hochschulen betreffen, sollte bekannt sein. Wie schlecht es jedoch um die StudentInnenschaft steht, offenbart sich beispielhaft an dem Kommentar eines Studenten, der als Reaktion auf einen Artikel der Politologin Christiane Florin (ebenfalls) auf zeit.de veröffentlicht wurde. (mehr…)

Changing Education Paradigms

An dieser Stelle möchte ich nur kurz ein meiner Meinung nach gelungenes Statement für einen Paradigmenwechsel innerhalb des Bildungssystems dokumentieren. Es ist zudem auch ganz unterhaltsam, weil zeichnerisch ganz nett und zudem ein wenig lustig referiert. Aber seht selbst…

Auch wenn in dem Video kein unmittelbarer, direkter Bezug zur warenförmigen Vergesellschaftung innerhalb der kapitalistisch organisierten Welt angesprochen wird, ist die Analyse weitgehend zutreffend und wäre sogar an vielen Stellen anschlussfähig an eine Kritik am Bildungssystem, die den gesellschaftlichen Zustand mitdenkt. Von daher keine explizit antikapitalistische Kritik, jedoch offen für eine solche und insofern nicht gängig.

Wie bio-deutsch sind Bio-Deutsche wirklich? – Eine Begriffsbestimmung

Deutsche Kartoffel

Seitdem Cem Özdemir den Begriff „Bio-Deutscher“ vor einiger Zeit in die Öffentlichkeit trug, hört man diesen immer mal wieder. Nein, nicht so oft wie etwa das Wort „Migrantin“ oder „Asylsuchender“ – aber es ist ja bekanntlich auch schwierig in hegemonial geführte Diskurse einzugreifen oder sich auch nur zu Wort zu melden. So wird der Begriff „bio-deutsch“ mitlerweile vor allem von politisch engagierten MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund, wie man so schön sagt, verwendet um auf ein bestimmtes Verhältnis zwischen ihnen und eben den so sogenannten Bio-Deutschen aufmerksam zu machen. (mehr…)