Archiv der Kategorie 'Rassismus'

„Die müssen nich unbedingt hier hin, weil hier is ja n Wohngebiet“

Der deutsche Mob rottet sich wieder vor Asylwohnheimen. Zwar nicht mehr – oder zumindest noch nicht wieder – mit Steinen, Holzlatten oder Brandsätzen, dafür jedoch wie eh und je voller Ressentiment und Projektion. Das „außergewöhnliche“ am Ganzen: nicht vor bewohnten Asylwohnheimen wird in entmenschlichend-rassistischer Weise gegen „die Ausländer“ protestiert, sondern gegen ein Asylwohnheim in spe. Hier in Leipzig sollen nämlich Flüchtlinge direkt in der Innenstadt untergebracht werden, was eine vergleichsweise fortschrittliche Maßnahme wäre, denkt man zurück an schlechtere Tage, in denen es noch gang und gäbe war, dass asylsuchende Menschen in verlassenen Kasernen in abgelegenen Wäldern untergebracht wurden (sog. „Jungelheime“), wo sie teilweise viele Jahre abgeschnitten von jeglicher städtebaulicher Infrastruktur dahinexistieren mussten und auch heute in manchen Bundesländern noch müssen.1 Das bedeutete oftmals keine Einkaufsmöglichkeiten zu haben, dass keine Gesundheitsversorgung in unmittelbarer Nähe gewährleistet war und den Kindern der Schulbesuch verunmöglicht war. (mehr…)

Wie bio-deutsch sind Bio-Deutsche wirklich? – Eine Begriffsbestimmung

Deutsche Kartoffel

Seitdem Cem Özdemir den Begriff „Bio-Deutscher“ vor einiger Zeit in die Öffentlichkeit trug, hört man diesen immer mal wieder. Nein, nicht so oft wie etwa das Wort „Migrantin“ oder „Asylsuchender“ – aber es ist ja bekanntlich auch schwierig in hegemonial geführte Diskurse einzugreifen oder sich auch nur zu Wort zu melden. So wird der Begriff „bio-deutsch“ mitlerweile vor allem von politisch engagierten MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund, wie man so schön sagt, verwendet um auf ein bestimmtes Verhältnis zwischen ihnen und eben den so sogenannten Bio-Deutschen aufmerksam zu machen. (mehr…)

20 Jahre Pogrom von Hoyerswerda

Das Pogrom
Heute vor 20 Jahren began in Hoyerswerda das wohl erste Pogrom in der Geschichte Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Die Kleinstadt Hoyerswerda galt bis zum Fall der Mauer und dem Niedergang der DDR als dessen sozialistische Modell- und Vorzeigestadt. Damals lebten hier noch etwa 70.000 EinwohnerInnen, darunter ca. 230 Flüchtlinge und Asylsuchende sowie rund 200 VertragsarbeiterInnen aus Mosambik und Vietnam. Die Ausschreitungen, die eindeutig als Pogrom beschrieben werden können, richteten sich gegen beide als „Ausländer“ markierte Gruppen und dauerten ganze sieben Tage lang – vom 17.09. bis zum 23.09.1991. (mehr…)