Archiv der Kategorie 'Gewalt'

Das beschnittene Recht des Kindes. Zur Beschneidungsdebatte

Ein Jahr liegt die sogenannte Beschneidungsdebatte nun schon zurück. Und nun, „ein Jahr, nachdem kritische Positionierung relevant und riskant gewesen wäre“ konnte man mit großer Verspätung dann auch in der neuen Prodomo (# 17) sowie der neuen Polemos (# 5) noch etwas „materialistisch angehauchtes über Recht, Staat und Nation“1 zum Thema lesen. Ich selber hatte mich zugegebenermaßen seit der Ankündigungen auf diese Beiträge gefreut, da ich mit einer wenn auch zögerlichen aber doch noch vernünftigen Positionierung gerechnet hatte. Am relevanten Kern des Themas, nämlich der Frage, wie das Verhältnis vom Recht auf Kindeserziehung und Schutz des Kindes vor gewissen Erziehungspraxen in diesem Fall abzuwägen wäre, gehen allerdings im Prinzip alle Ausschweifungen vorbei. (mehr…)

Plädoyer für eine Militärintervention in Syrien

Seit über einem Jahr herrscht Bürgerkrieg in Syrien – ein „blutiger“, wie in der Berichterstattung immer ganz selbstverständlich mit erwähnt wird. Doch was heißt das und vor allem welche Konsequenzen folgen daraus? Bisher keine nennenswerten. Bereits vor einem Jahr war ich der Meinung, dass eine Intervention durch die internationale Staatengemeinschaft etwa in Kooperation mit der Arabischen Liga und einer mittelfristigen Stationierung von UN-Truppen die Lage vor Ort hätte wesentlich entschärft werden können. Im Verlauf der ersten Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings hin zu den blutigen Niederschlagungen derselben wollten immer weniger Oppositionelle das Regime reformieren, sondern es wurde schnell klar, dass die Diktatur gestürzt werden solle. (mehr…)

Ein verspäteter Rückblick auf die Krisenproteste von M31 und Blockupy

Es ist wieder still geworden. Zumindest was die „revolutionären Umtriebe“ in dieser Republik anbelangt. Eines der letzten großen Zeltlager der sog. Occupy-Bewegung in Deutschland wurde diese Woche in Frankfurt ohne großen Trubel geräumt und auch der im Frühjahr von der radikalen Linken so unendlich beschworene „heiße Sommer der Krisenproteste“ blieb bis auf weiteres aus – bis auf ein paar warme Tage im Juli ist eben nicht nur der Sommer, sondern sind auch gleich die Krisenproteste ausgefallen.
„Aber irgendwas war doch da im Frühling“, wird vielleicht der ein oder die andere einwerfen wollen. Stimmt, da war doch irgendwas gewesen… (mehr…)

„We were used to dance“

Heute ist der 08. Mai.
Aus diesem Anlass war ich heute abend auf einer sehr Veranstaltung, auf welcher der Shoah und der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gedacht werden sollte. Auch wenn man sich dem Unbeschreiblichen und Unbegreifbaren wohl nie wird vollkommen nähern können, waren es zwei sehr bewegende und – soweit irgendwie möglich – würdige Stunden. Ich bin zwar nicht fähig zu beschreiben, wie der Abend aussah, ohne ihn zu verfälschen und ihm somit das zu nehmen, was er dort mühevoll versucht wurde aufzubauen. Aber ich wollte doch zumindest, dass dieser Tag und eben auch dieser Abend erwähnung findet. Eines der musikalischen Stücke, die dort u.a. vorgebracht wurden, wollte ich gerne ebenfalls „beitragen“, aber auch das – ein Stück aus dem Gedenkkomplex gewissermaßen herauszureißen – scheint mir nicht angebracht.
Ob folgendes nun angebracht ist, weiß ich nicht zu beurteilen, doch bin ich (wieder) darauf gestoßen beim Durchstöbern des Internets nach Liedern, die in Konzentrationslagern komponiert wurden – wie z.B. sehr viele in Theresienstadt / Terezín. Ich muss immer wieder weinen, wenn ich es sehe:


I Will Survive – Dancing Auschwitz von Honk4joy

20 Jahre Pogrom von Hoyerswerda

Das Pogrom
Heute vor 20 Jahren began in Hoyerswerda das wohl erste Pogrom in der Geschichte Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Die Kleinstadt Hoyerswerda galt bis zum Fall der Mauer und dem Niedergang der DDR als dessen sozialistische Modell- und Vorzeigestadt. Damals lebten hier noch etwa 70.000 EinwohnerInnen, darunter ca. 230 Flüchtlinge und Asylsuchende sowie rund 200 VertragsarbeiterInnen aus Mosambik und Vietnam. Die Ausschreitungen, die eindeutig als Pogrom beschrieben werden können, richteten sich gegen beide als „Ausländer“ markierte Gruppen und dauerten ganze sieben Tage lang – vom 17.09. bis zum 23.09.1991. (mehr…)

Carlo Giuliani – Märtyrertum der radikalen „Linken“?

Im Juli diesen Jahres kam es rund um den 10. Jahrestag der Tötung des politischen Aktivisten Carlo Giuliani bei den Ausschreitungen 2001 in Genua (anlässlich des G8-Gipfels) zu verschiedenen Protest- und Solidaritätsaktionen in Europa, darunter viele in Deutschland. So tauchten in diversen Städten Stencils mit dem Porträt von Giuliani auf,1 es kam zu Spontandemonstrationen (u.a. in Berlin) sowie zu militanten Aktionen (u.a. in Frankfurt/Main) und (v.a. in Berlin) zu nächtlichen Ausschreitungen und Straßenschlachten mit der Polizei.2

So weit erstmal nichts überaus außergewöhnliches für eine teilweise militant agierende „Szene“. Was jedoch bei mir persönlich für Irritationen sorgte, war das immer wieder auftauchende Motto, mit welchem u.a. auch versucht wurde zu mobilisieren: „Rache für Carlo!“ (mehr…)

AnarchistInnen und Bomben

Die letzten Wochen und Monate waren medial u.a. geprägt von Terrorwarnungen und tatsächlichen Bombenanschlägen, u.a. in den USA, Schweden, aber auch in Italien und Griechenland. Über die letzten beiden Anschläge bzw. Anschlagserien von angeblichen AnarchistInnen wollte ich einen kritischen Artikel verfassen. Nun bin ich jedoch auf einen Text der „Libertären Aktion Winterthur“ gestoßen, mit dessen Kernaussagen ich so weit übereinstimme, dass ich es nun für überflüssig halte noch einen eigenen zu verfassen. Im folgenden möchte ich das besagte Fundstück im Vollzitat übernehmen. (mehr…)

Die Staatsgewalt überfordert?

Die Staatsgewalt überfordert?

Am Wochenende war es mal wieder so weit. Die Bereitschaftspolizei hatte alle Hände voll zu tun, um den Castortransport von Frankreich nach Deutschland zu schützen. Über 16.000 Beamte sollen im Einsatz gewesen sein, (neuere Quellen sprechen von bis zu 20.000, da etliche Kräfte nachbeordert wurden), davon etwa die Hälfte allein im Wendland.

Einen Eindruck davon, wie überfordert die Polizei teilweise war, bekommt man ganz gut auf einem der gängigen Videoportale. In Situationen von vollkommener Missachtung der Autoritäten, dem vielfachen Widersetzen gegen die Staatsgewalt und zahlreicher versuchter Sachbeschädigung – so wurden die Sabotageaktionen rund um das Schottern im Vorfeld bezeichnet – können die an vielen Stellen zahlenmäßig-taktisch weit unterlegenen Polizeieinheiten oftmals nicht mehr tun, als mit dem Einsatz von Knüppel und Pfefferspray zu versuchen, die AktivistInnen abzudrängen. (mehr…)