Archiv der Kategorie 'Eine Frage der Moral'

Individuelles Appeasement gegenüber dem Iran

AuslandsjahrIran

Die politische und wirtschaftliche Öffnung des Westens gegenüber dem Iran schlägt sich bereits im Denken der Menschen über den Iran nieder. Ein aktuelles und zugleich sehr bezeichnendes Beispiel: Die Webseite „Studieren weltweit“ veröffentlichte nun den Bericht einer jungen Studentin aus Marburg über ihr Auslandsjahr in Teheran / Iran.

Ich denke das ist ein nicht zu unterschätzendes Phänomen: Vor allem immer mehr junge und alternativ angehauchte Menschen wählen das Land als Reiseoft, Studienort oder vorübergehenden Arbeitsort – oder äußern zumindest starkes Interesse daran. Nicht selten heißt es, man wolle das Land und die Leute so kennenlernen, wie sie wirklich seien, man wolle Vorurteile abbauen. Auffällig ist, dass dabei in der Regel von der Menschenrechtslage im Iran geschwiegen wird. Man macht sich eine schöne Zeit, macht schöne Fotos, lernt interessante Leute kennen – und blendet dabei aus, dass der Großteil der Leute vor Ort entweder aus finanziellen Gründen niemals ausreisen könnten, im Westen schon gar keinen Aufenthaltstitel bekommen würden oder aber vom Regime, etwa aus politischen Gründen, an der Ausreise gehindert werden. Man macht sich eine gute Zeit und lässt dann, wenn man wieder abreist, die Menschen vor Ort in ihrem politischen Elend zurück. Mit irgendeiner Art von Solidarität hat das absolut nichts zu tun.

Freude über den Tod Osama bin Ladens

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.“ Angela Merkel1

Zu einem demokratischen Staat, der nicht nur formal als solcher gelten möchte, gehört nicht nur ein funktionsfähiges Parlament, eine Gewaltenteilung und das Prinzip der Rechtstaatlichkeit, sondern auch eine gesellschaftliche demokratische Kultur. Doch nicht nur das. Demokratie sollte sich immer auch veräußerlichen und sich im außenpolitischen, staatlichen Handeln widerspiegeln.

Wenn jetzt ein Großteil der außernpolitischen Akteure der sog. westlichen Welt anfängt zu feiern, weil der seit mehr als einem Jahrzehnt gesuchte Terrorist und al-Qaida-Gründer Osama bin Laden erschossen wurde, dann offenbart sich so einiges, jedoch nicht das, was ich mir unter demokratischer Kultur vorstelle und noch weniger was ich mir aus einer zivilisierten und humanistischen Sicht auf die Welt wünschen würde. (mehr…)

AnarchistInnen und Bomben

Die letzten Wochen und Monate waren medial u.a. geprägt von Terrorwarnungen und tatsächlichen Bombenanschlägen, u.a. in den USA, Schweden, aber auch in Italien und Griechenland. Über die letzten beiden Anschläge bzw. Anschlagserien von angeblichen AnarchistInnen wollte ich einen kritischen Artikel verfassen. Nun bin ich jedoch auf einen Text der „Libertären Aktion Winterthur“ gestoßen, mit dessen Kernaussagen ich so weit übereinstimme, dass ich es nun für überflüssig halte noch einen eigenen zu verfassen. Im folgenden möchte ich das besagte Fundstück im Vollzitat übernehmen. (mehr…)