Archiv der Kategorie 'Befreiung'

Individuelles Appeasement gegenüber dem Iran

AuslandsjahrIran

Die politische und wirtschaftliche Öffnung des Westens gegenüber dem Iran schlägt sich bereits im Denken der Menschen über den Iran nieder. Ein aktuelles und zugleich sehr bezeichnendes Beispiel: Die Webseite „Studieren weltweit“ veröffentlichte nun den Bericht einer jungen Studentin aus Marburg über ihr Auslandsjahr in Teheran / Iran.

Ich denke das ist ein nicht zu unterschätzendes Phänomen: Vor allem immer mehr junge und alternativ angehauchte Menschen wählen das Land als Reiseoft, Studienort oder vorübergehenden Arbeitsort – oder äußern zumindest starkes Interesse daran. Nicht selten heißt es, man wolle das Land und die Leute so kennenlernen, wie sie wirklich seien, man wolle Vorurteile abbauen. Auffällig ist, dass dabei in der Regel von der Menschenrechtslage im Iran geschwiegen wird. Man macht sich eine schöne Zeit, macht schöne Fotos, lernt interessante Leute kennen – und blendet dabei aus, dass der Großteil der Leute vor Ort entweder aus finanziellen Gründen niemals ausreisen könnten, im Westen schon gar keinen Aufenthaltstitel bekommen würden oder aber vom Regime, etwa aus politischen Gründen, an der Ausreise gehindert werden. Man macht sich eine gute Zeit und lässt dann, wenn man wieder abreist, die Menschen vor Ort in ihrem politischen Elend zurück. Mit irgendeiner Art von Solidarität hat das absolut nichts zu tun.

Das beschnittene Recht des Kindes. Zur Beschneidungsdebatte

Ein Jahr liegt die sogenannte Beschneidungsdebatte nun schon zurück. Und nun, „ein Jahr, nachdem kritische Positionierung relevant und riskant gewesen wäre“ konnte man mit großer Verspätung dann auch in der neuen Prodomo (# 17) sowie der neuen Polemos (# 5) noch etwas „materialistisch angehauchtes über Recht, Staat und Nation“1 zum Thema lesen. Ich selber hatte mich zugegebenermaßen seit der Ankündigungen auf diese Beiträge gefreut, da ich mit einer wenn auch zögerlichen aber doch noch vernünftigen Positionierung gerechnet hatte. Am relevanten Kern des Themas, nämlich der Frage, wie das Verhältnis vom Recht auf Kindeserziehung und Schutz des Kindes vor gewissen Erziehungspraxen in diesem Fall abzuwägen wäre, gehen allerdings im Prinzip alle Ausschweifungen vorbei. (mehr…)

Die falsch verstandene Befreiung

Heute wird in vielen Ländern Europas der „Victory in Europe Day“ gefeiert, der an die bedingungslose Kapitulation und damit die endgültige Niederlage Nazi-Deutschlands erinnert. Während dieser Tag in einigen Ländern sogar als offizieller Feiertag begangen wird, feiert hierzulande hauptsächlich die Linke.

Grund zum Feiern gibt es am 8. Mai mehr als an jedem anderen Tag. Selbst an einem Tag jedoch, an dem es lediglich darum zu gehen hätte, im Sinne eines „Nie Wieder“ zu gedenken oder ausgelassen den Sieg der Anti-Hitler-Koalition zu feiern, hat sich bis heute innerhalb der Linken ein regressives Moment konserviert. Hier spricht man vom „Tag der Befreiung“ nämlich so, als ob es sich dabei, wie in der DDR propagiert wurde, um die „Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus“ handeln würde. Dass jedoch nicht Deutschland oder gar das „deutsche Volk“ von „den Nazis“ befreit wurde, welche plötzlich als irgendetwas Drittes gedacht und sprachlich dargestellt werden, jedoch nicht als genuin deutsche, das scheint, wie ich heute wieder feststellen musste, von vielen noch immer nicht verstanden zu sein. Und so hält sich der Mythos vom Hitlerismus und reiht sich ein in den Versuch nicht mehr nur noch TäterIn, sondern doch wenigstens auch Opfer sein zu dürfen – auch wenn das „Volk“ im Dritten Reich von Nazi-Deutschland nicht zu unterscheiden war.

Es wäre also sinnvoll nicht Länger von „Befreiung“ zu sprechen, will man denn nicht einen gewissen Geschichtsrevisionismus transportieren – und sei es nur dadurch, dass sich im Zweifelsfall auch die falschen Leute mit dem Begriff der Befreiung identifizieren können, weil sie ihn eben nicht als Befreiung Europas und aller vom NS Verfolgter, Gequälter und KZ-Inhaftierter, sondern als Befreiung Deutschlands vom Attribut „Nazi“ verstehen. Sinnhafter scheint es da, wie eben auch in anderen Ländern, vom „Sieg über Deutschland“ zu sprechen.
Dass selbst zu einem Tag wie dem 8. Mai eine spezifisch deutsche Deutung existiert, ist jedoch wohl nur ein weiterer Hinweis darauf, wie wenig bearbeitet die deutsche Geschichte tatsächlich ist.

Das falsche Spiel

Diese Lyrik zielte inhaltlich mal auf die vorletzte „Strophe“ meiner Gedanken der Einsamkeit. Sie kann aber (und will wohl) auch metaphorisch verstanden werden.

(mehr…)

Gedanken der Einsamkeit

Diese Art Reflexion stellt eine Momentaufnahme dar. Eine Momentaufnahme des Versuchs meine eigenen Gedanken und Gefühle von Einsamkeit irgendwie zu fassen.

.

*

alle Menschen sind total bescheuert. (mehr…)

„We were used to dance“

Heute ist der 08. Mai.
Aus diesem Anlass war ich heute abend auf einer sehr Veranstaltung, auf welcher der Shoah und der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gedacht werden sollte. Auch wenn man sich dem Unbeschreiblichen und Unbegreifbaren wohl nie wird vollkommen nähern können, waren es zwei sehr bewegende und – soweit irgendwie möglich – würdige Stunden. Ich bin zwar nicht fähig zu beschreiben, wie der Abend aussah, ohne ihn zu verfälschen und ihm somit das zu nehmen, was er dort mühevoll versucht wurde aufzubauen. Aber ich wollte doch zumindest, dass dieser Tag und eben auch dieser Abend erwähnung findet. Eines der musikalischen Stücke, die dort u.a. vorgebracht wurden, wollte ich gerne ebenfalls „beitragen“, aber auch das – ein Stück aus dem Gedenkkomplex gewissermaßen herauszureißen – scheint mir nicht angebracht.
Ob folgendes nun angebracht ist, weiß ich nicht zu beurteilen, doch bin ich (wieder) darauf gestoßen beim Durchstöbern des Internets nach Liedern, die in Konzentrationslagern komponiert wurden – wie z.B. sehr viele in Theresienstadt / Terezín. Ich muss immer wieder weinen, wenn ich es sehe:


I Will Survive – Dancing Auschwitz von Honk4joy