Archiv für Mai 2013

Die falsch verstandene Befreiung

Heute wird in vielen Ländern Europas der „Victory in Europe Day“ gefeiert, der an die bedingungslose Kapitulation und damit die endgültige Niederlage Nazi-Deutschlands erinnert. Während dieser Tag in einigen Ländern sogar als offizieller Feiertag begangen wird, feiert hierzulande hauptsächlich die Linke.

Grund zum Feiern gibt es am 8. Mai mehr als an jedem anderen Tag. Selbst an einem Tag jedoch, an dem es lediglich darum zu gehen hätte, im Sinne eines „Nie Wieder“ zu gedenken oder ausgelassen den Sieg der Anti-Hitler-Koalition zu feiern, hat sich bis heute innerhalb der Linken ein regressives Moment konserviert. Hier spricht man vom „Tag der Befreiung“ nämlich so, als ob es sich dabei, wie in der DDR propagiert wurde, um die „Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus“ handeln würde. Dass jedoch nicht Deutschland oder gar das „deutsche Volk“ von „den Nazis“ befreit wurde, welche plötzlich als irgendetwas Drittes gedacht und sprachlich dargestellt werden, jedoch nicht als genuin deutsche, das scheint, wie ich heute wieder feststellen musste, von vielen noch immer nicht verstanden zu sein. Und so hält sich der Mythos vom Hitlerismus und reiht sich ein in den Versuch nicht mehr nur noch TäterIn, sondern doch wenigstens auch Opfer sein zu dürfen – auch wenn das „Volk“ im Dritten Reich von Nazi-Deutschland nicht zu unterscheiden war.

Es wäre also sinnvoll nicht Länger von „Befreiung“ zu sprechen, will man denn nicht einen gewissen Geschichtsrevisionismus transportieren – und sei es nur dadurch, dass sich im Zweifelsfall auch die falschen Leute mit dem Begriff der Befreiung identifizieren können, weil sie ihn eben nicht als Befreiung Europas und aller vom NS Verfolgter, Gequälter und KZ-Inhaftierter, sondern als Befreiung Deutschlands vom Attribut „Nazi“ verstehen. Sinnhafter scheint es da, wie eben auch in anderen Ländern, vom „Sieg über Deutschland“ zu sprechen.
Dass selbst zu einem Tag wie dem 8. Mai eine spezifisch deutsche Deutung existiert, ist jedoch wohl nur ein weiterer Hinweis darauf, wie wenig bearbeitet die deutsche Geschichte tatsächlich ist.