„Die müssen nich unbedingt hier hin, weil hier is ja n Wohngebiet“

Der deutsche Mob rottet sich wieder vor Asylwohnheimen. Zwar nicht mehr – oder zumindest noch nicht wieder – mit Steinen, Holzlatten oder Brandsätzen, dafür jedoch wie eh und je voller Ressentiment und Projektion. Das „außergewöhnliche“ am Ganzen: nicht vor bewohnten Asylwohnheimen wird in entmenschlichend-rassistischer Weise gegen „die Ausländer“ protestiert, sondern gegen ein Asylwohnheim in spe. Hier in Leipzig sollen nämlich Flüchtlinge direkt in der Innenstadt untergebracht werden, was eine vergleichsweise fortschrittliche Maßnahme wäre, denkt man zurück an schlechtere Tage, in denen es noch gang und gäbe war, dass asylsuchende Menschen in verlassenen Kasernen in abgelegenen Wäldern untergebracht wurden (sog. „Jungelheime“), wo sie teilweise viele Jahre abgeschnitten von jeglicher städtebaulicher Infrastruktur dahinexistieren mussten und auch heute in manchen Bundesländern noch müssen.1 Das bedeutete oftmals keine Einkaufsmöglichkeiten zu haben, dass keine Gesundheitsversorgung in unmittelbarer Nähe gewährleistet war und den Kindern der Schulbesuch verunmöglicht war.

Dass diese Menschen nun inmitten eines von den BewohnerInnen volksgemeinschaftlich-deutsch definierten Stadtgebietes untergebracht werden sollen, ruft ihre urdeutschen Heimatschutzreflexe und Rassismen auf den Plan: es formiert sich eine (Wut-)Bürgerbewegung. Was diese so für Argumente für ihr Anliegen vorzubringen hat, kann von Minute 0 bis 1:15 im folgenden Videobeitrag vom MDR nachgeguckt werden:

Hat sich doch wenig an den deutschen RassistInnen geändert, bleibt nur noch zu hoffen, dass wenigstens der Staat (im Gegensatz zu früheren Tagen) sein Machtmonopol mit aller Härte durchsetzen wird und den vielleicht bald in dem Haus wohnenden Menschen das Recht auf ihre körperliche Unversehrtheit mit allen Mitteln garantiert.

Ergänzung:
Es gibt seit kurzem auch eine Initiative in Leipzig, die sich für eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge einsetzt. Deren Appell und weitere Informationen über die aktuelle Situation, kann deren Blog entnommen werden: agdezentralisierungjetzt.blogsport.eu

  1. Da die gesetzliche Regelung zur Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen ländersache ist, varriieren die zugeteilten Behausungen von eben solchen „Jungelheimen“ über Kontainerlager an Stadträndern bis (selten) hin zu „normalen“ Mietwohnungen in Großwohnungsanlagen (sog. dezentrale Unterbringung). Letzteres ist jedoch in der Tat eine Rarität und wird nur in wenigen Bundesländern überhaupt angewendet. [zurück]

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