Changing Mind Paradigms

In meinem letzten Beitrag ging es noch hauptsächlich um das allgemeine Schulsystem. Dass die dort angesprochenen Probleme nicht nur Schulen, sondern auch Hochschulen betreffen, sollte bekannt sein. Wie schlecht es jedoch um die StudentInnenschaft steht, offenbart sich beispielhaft an dem Kommentar eines Studenten, der als Reaktion auf einen Artikel der Politologin Christiane Florin (ebenfalls) auf zeit.de veröffentlicht wurde. Zwar versteht Frau Florin offenbar nicht viel von Adornos Gesellschaftskritik und rekurriert trotzdem oder gerade deshalb auf ihn (und Max Weber!), um dann im restlichen Artikel frei nach Kant die – so kann man den Eindruck bekommen – ausschließlich selbstverschuldete Unmündigkeit der StudentInnen festzustellen und diese dafür zu kritisieren; gesellschaftliche Zwangsmechanismen oder Verblendungszusammenhänge sind ihr Fremdwörter. Ließt man jedoch anschließend die studentische Reaktion, überträgt sich Florins Bedürfnis, welches sie beim schreiben ihres Artikels gehabt haben dürfte, fast automatisch auf den/die LeserIn und ihr Artikel wird nachvollziehbar, wenn auch dadurch nicht besser. Zwar steckt auch ein „Funken Wahrheit“ in dem Kommentar des Studenten Julian Kirchherr. Denn natürlich braucht kritisches Denken Zeit und Raum1. Doch an der Universität wird man weder Zeit noch den angemessenen Raum dafür vorfindet. Ein solche kritisches Denken fordert der Student jedoch auch überhaupt nicht. Er möchte in der Universität „Werkzeuge an die Hand“ gegeben bekommen, mit denen er Spiegel Online Journalist werden kann, statt über Karl Marx zu diskutieren, denn „diese Diskussionen führen nicht zu Antworten.“ So hat auch er noch nie etwas von Verblendungszusammenhängen gehört, mit dem Unterschied, dass ihn solche „Theorie“ auch ganz prinzipiell nicht interessiert („wir wollen Praxis“). Eigentlich ist damit alles gesagt. Da der studentische Unfug jedoch tatsächlich bei zeit.de veröffentlicht wurde, fühlte sich Frauke Schulz vom Göttinger Institut für Demokratieforschung dazu genötigt, sein Verständnis vom Sinn und Zweck der Politikwissenschaft in wenigen Sätzen ganz grundlegend in Frage zu stellen, was sich stellenweise, mit dem bitteren Nachgeschmack dieses Herrn Kirchherr, doch sehr erfrischend ließt. Der Vollständigkeit halber also auch noch diesen Link.

  1. Solidarität mit dem Institut für vergleichende Irrelevanz in Frankfurt am Main, welches seit neun Jahren kritische Wissenschaft und Theorie mit Praxis, Kunst und Party verbindet und aktuell bedroht ist. Siehe dazu auch http://weloveivi.wordpress.com/. Darüber hinaus sehr lesenswert: http://lavache.blogsport.de/2012/03/29/der-ursprung-des-ivi-ein-ontologischer-beitrag-zur-selbstreflexion/ [zurück]

2 Antworten auf „Changing Mind Paradigms“


  1. 1 Anonymous 26. Juni 2012 um 14:56 Uhr

    hey, danke für den artikel. besonders gern mochte ich die antwort von frauke schulz.

    mit dem rss feed funzt jetzt ^^

  1. 1 Politikwissenschaft bleibt Mist! « Julian Kirchherr Pingback am 10. Juni 2012 um 12:51 Uhr

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