Wie bio-deutsch sind Bio-Deutsche wirklich? – Eine Begriffsbestimmung

Deutsche Kartoffel

Seitdem Cem Özdemir den Begriff „Bio-Deutscher“ vor einiger Zeit in die Öffentlichkeit trug, hört man diesen immer mal wieder. Nein, nicht so oft wie etwa das Wort „Migrantin“ oder „Asylsuchender“ – aber es ist ja bekanntlich auch schwierig in hegemonial geführte Diskurse einzugreifen oder sich auch nur zu Wort zu melden. So wird der Begriff „bio-deutsch“ mitlerweile vor allem von politisch engagierten MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund, wie man so schön sagt, verwendet um auf ein bestimmtes Verhältnis zwischen ihnen und eben den so sogenannten Bio-Deutschen aufmerksam zu machen.

Dieses Verhältnis, auf das aufmerksam gemacht werden soll, ist ein diskriminierendes und nicht selten auch rassistisches. Schlagwörter wie Mehrheitsgesellschaft und Parallelgesellschaft, Deutsche und MigrantInnen, Leitkultur und Fremdartigkeit umreißen dieses und weisen auf eine scheinbar homogene und vermeintlich ursprüngliche Gesellschaft hin, welcher eine Gruppe vom integrationsbedürftigen Eingewanderten gegenüber steht.

Aber wie integriert man sich? Worin soll sich integriert werden? Was ist überhaupt Integration? Können sich visible Minderheiten überhaupt in einer solchen Art integrieren, wie es von der „Mehrheitsgesellschaft“ verlangt wird? Schließlich werden sie weiterhin anhand ihres äußeren Erscheinungsbildes als „Fremde“ wahrgenommen werden. Aber selbst, wenn Integration funktionieren könnte, was wird dabei überhaupt verlangt? Und wieso darf hier überhaupt irgendwer irgendetwas von irgendwem verlangen?

Auch diese Fragen sind es, die bei einer kritisch aufgeladenen Benutzung des Wortes „Bio-Deutsch“ mitschwingen. Dabei beschreibt „bio-deutsch“ diejenigen Menschen mit deutschem Pass, die keinen Migrationshintergrund haben, die eben von früheren Generationen von Deutschen abstammen und damit auch selber „richtige“ Deutsche sind. Im Prinzip benennt der Begriff somit nur, was für einen Großteil der Menschen in der BRD „Deutsch-Sein“ bedeutet: nämlich eine biologisch aufgeladene Nationalität. „Deutsch“ kann demnach nur sein, wer deutsche Vorfahren, wahlweise auch „deutsches Blut“ hat und nicht etwa, wer die deutsche Staatsbürgerschaft in Form eines Passpapiers der BRD besitzt – womit wir wieder bei der Frage angelangt wären, wie man sich überhaupt integrieren kann (vorausgesetzt man möchte das).

Eine weitere Dimension des Begriffs „Bio-Deutsch“ ist der Versuch, die Markierung von den „Menschen mit Migrationshintergrund“ und die damit einhergehenden Vorurteile, also die Stigmatisierung, zu nehmen. Er dreht den Spieß um und markiert nun die vermeintlich ursprünglichen und „richtigen“ Deutschen, indem diesen ein sprachlicher Zusatz gegeben wird. Es existieren nun nicht mehr „Deutsche“ und „MigrantInnen“ (denen ein Deutsch-Sein von vorn herein abgesprochen wurde) sondern – neben den Menschen ohne deutschen Pass – „Deutsche“ und „Bio-Deutsche“.

Die Umkehrung der Markierung durch Begrifflichkeiten, also die Verschiebung des Fokuses von den Menschen mit Migrationshintergrund auf diejenigen deren Großvater oder Urgroßmutter noch die Weimarer Republik miterlebt haben, zeigt auch die generelle Absurdität und den diskriminierenden Charakter des Verhältnisses der angeblichen deutschen Leitkultur zu allen Menschen die, mit oder ohne deutschem Pass, als Fremde und Ausländer wahrgenommen werden. Es handelt sich bei dem Wort „Bio-Deutsche“ also nicht um einen analytischen Begriff, der etwa festschreiben würde wer nun ein „richtiger“ und ursprünglicher Deutscher ist, sondern um eine Art Persiflage und den Versuch dem gängigen Verständnis von „Deutsch-Sein“ einen Spiegel vorzuhalten und dieses Verständnis im besten Fall sogar zu verändern.

Auch wenn man mit der Begrifflichkeit „Bio-DeutscheR“ zunächst ein Problem haben könnte, weil er einen Zusammenhang zwischen Mensch-Sein, Biologie und Nationalität suggeriert, finde ich die Anwendung des Begriffs in den oben geschilderten Zusammenhängen sehr unterstützenswert. Denn er entlarft das gängige „Deutsch-Sein“-Verständnis als das, was es ist: ein biologistisch-rassistisches.


29 Antworten auf „Wie bio-deutsch sind Bio-Deutsche wirklich? – Eine Begriffsbestimmung“


  1. 1 Biodeutscher 24. September 2011 um 13:01 Uhr

    Deutschland ist zunächst einmal das Land der Deutschen und das soll es auch bleiben!

    Für Ihren linken Käse interessiert sich keine Sau.

  2. 2 bea 24. September 2011 um 13:18 Uhr

    Über eine argumentative Auseinandersetzen mit meinem Text, über die ich mir auch Gedanken machen könnte und vielleicht sogar müsste, hätte ich mich ja mehr gefreut. Trotzdem danke für Ihren Kommentar :D

  3. 3 Bio Kartoffel 24. September 2011 um 13:39 Uhr

    Wenn Sie sich nicht für diesen linken Käse interessieren, warum schreiben Sie dann ihren platten Unsinn in diesen Blog?

    Aber definieren Sie doch mal bitte „Deutsch“ und „Deutsche“? Wann ist man das? Mit Pass, mit Bio-Echtheitszertifikat?

  4. 4 Biodeutscher 24. September 2011 um 17:00 Uhr

    Ach, wissen Sie, ich sehe wenig Sinn im „argumentative[n] Auseinandersetzen“ mit jemanden, dessen Blog zu rund 90% aus Linkspropaganda besteht.

    Ich habe etwas quer gelesen und neben der berichtigen Kritik am Antisemitismus nur einen Artikel gefunden, dem ich zustimmen könnte. Das war der über den Tod von Bin Laden (Freude über den Tod eines Menschen ist i.d.T. unangebracht und die gesamte Aktion war eines Rechtsstaats nicht würdig).

    Ansonsten empfehle ich, statt z.B. über ein 20 Jahre altes „Pogrom“ den gefühlt 343. Medienbericht zu verfassen, lieber mal die beinahe wöchentlichen Übergriffe im ÖPNV durch zum größten Teil Migranten – äh, ich meine Deutsche mit Migra…, äh, Neudeutsche, äh, na Sie wissen schon – zu thematisieren. Aber da sind die Opfer ja „nur“ Deutsche und was ist eigentlich schon deutsch…

    Ich empfehle mich.

  5. 5 Biodeutscher 24. September 2011 um 17:02 Uhr

    Korrektur: Es sollte „berechtigten Kritik“ heißen.

    Ach ja und „Bio Kartoffel“: Du treibst Dich wohl auch überall herum, ne, KM? Deinen Dreckstil erkenne ich sofort.

    Tschüss zusammen.

  6. 6 Michel 24. September 2011 um 20:26 Uhr

    “ (…) und den Versuch dem gängigen Verständnis von „Deutsch-Sein“ einen Spiegel vorzuhalten (…)“

    Nun, schon an dem Ergebnis hier kannst du ablesen, dass die Adressaten von deiner Problematisierung des Nationalismus gar nichts wissen wollen. Und es stimmt auch nicht ganz, dass

    „(…) das gängige „Deutsch-Sein“-Verständnis als (…) ein biologistisch-rassistisches“

    entlarvt werden muss, wenn man vorhat, die Parteinahme für eine Nation anzugreifen. Dass das Deutsch-Sein mal biologisch, mal historisch oder charakterlich ausgemalt wird, sollte einem nicht den Blick auf das Entscheidende verstellen: das Bekenntnis zum Vaterland bringt notwendigerweise Verdacht und Zweifel gegen Zugereiste hervor, weil denen (von Nationalisten) unterstellt wird, sie seien NICHT zum Nutzen der Nation, sondern für ihren eigenen Vorteil unterwegs.

    Und SO kommen dann die Sortierungen entlang der Abstammung, Herkunft oder anderer Sarrazinereien ins Spiel: als Verteidigung der von Unterwanderung bedrohten nationalen Seele! Wo kommen wir denn da hin, denkt sich inzwischen auch schon der Deutsche mit Migrotionshintergrund und -stolz, wennn JEDER deutsch sein darf? Was wird dann aus der Einbildung, dass einen das auszeichnen würde oder unterscheiden von Bürgern anderer Nationen?

  7. 7 Biodeutscher 24. September 2011 um 22:14 Uhr

    So, jetzt muss ich doch nochmal etwas dazu sagen.

    Jedem Volk auf der Welt wird ein gesunder Nationalismus zugestanden, nur dem Deutschen nicht! Eine gewisse Homogenität ist für die meisten Menschen aber notwendig, um Heimat erleben und leben zu können.

    Das verstehen die linken Multikultilaberer natürlich nicht, die wollen aus Deutschland einen Schmelztiegel machen, der alles deutschnationale – inklusive deutscher Kultur und Tradition – vernichtet bzw. zu einem multikulturellen Einheitsgebräu formt. Dieses Gebräu ist übrigens hochexplosiv, wie man in Großstädten beinahe täglich erleben muss.

  8. 8 Michel 25. September 2011 um 7:48 Uhr

    „ein gesunder Nationalismus“

    ist die Vokabel für das Verharmlosen nationalistischer Parteinahme: man grenzt seine bereitwillige Unterordnung von einer angeblich übertriebenen ab (den Nationalismus der Nazis will man ja nicht verteidigen), um den „gesunden“ Nationalismus zu retten. Es bleibt aber immer derselbe Gedanke, ob den Faschisten oder Demokraten formulieren: Der eigene Materialismus soll hinter dem „großen Ganzen“, der Nation, zurückstehen.

    Und DAFÜR werden Argumente gefertigt wie „Homogenität“, „Heimat“ usw. Die Natur ist auch für den Biodeutschen bloß der wasserdichte „Beleg“, dass er mit seinem Für-Deutschland-Sein richtig liegt. Der hält „deutsche Kultur und Tradition“ selbst schon für ein Argument, die biologistische Bebilderung (kein „Schmelztiegel“ o.Ä.) rechtfertigt nur das Bekenntnis zur Nation, der Biologismus ist aber nicht der Grund für die Sortierung von Deutschen und Nicht-Deutschen.

  9. 9 bea 25. September 2011 um 11:36 Uhr

    Und es stimmt auch nicht ganz, dass

    „(…) das gängige „Deutsch-Sein“-Verständnis als (…) ein biologistisch-rassistisches“

    entlarvt werden muss, wenn man vorhat, die Parteinahme für eine Nation anzugreifen.

    Dem Inhalt deines Satzkonstruktes würde ich zwar zustimmen, jedoch hast du mich dermaßen aus dem Zusammenhang zitiert, dass nicht das wiedergegeben wird, was meine Aussage war. Ich habe nämlich erklärt, dass ich den Begriff der/des „Bio-Deutschen“ sinnvoll finde zu verwenden, weil dieser das Verhältnis zwischen vermeintlich „richtigen“ und „falschen“ Deutschen aufzeigt und dieses als rassistisch entlarft. Nicht etwa, dass „die Parteinahme für eine Nation“ nur auf diese Weise anzugreifen wäre oder gar nur ein rassistischer Nationalismus anzugreifen wäre. Das ist nicht meine Position.

    Ansonsten danke für Ihre / deine Anmerkungen und Ergänzungen – die ich größtenteils, wie gesagt, auch teilen würde.

  10. 10 Bio Kartoffel 25. September 2011 um 12:09 Uhr

    @ Biodeutscher

    Es scheint, als sei ich ein vaterlandsloser Geselle….

  11. 11 Anonymous 25. September 2011 um 12:32 Uhr

    Jedem Volk auf der Welt wird ein gesunder Nationalismus zugestanden, nur dem Deutschen nicht!

    Ich weiß nicht, wo hier irgendwem ein „gesunder“ Nationalismus zugestanden wird. Ich persönlich finde die Ausgrenzung oder Verherrlichung von Personengruppen auf Grund ihrer Herkunft in jeder Region der Welt verurteilenswert. Das Problem ist, dass mensch irgendwo anfangen muss. Am Besten dort, wo mensch Einfluss auf die Gegebenheiten hat. Das ist für Menschen, die in Deutschland leben am ehesten Deutschland und für solche, die z.B. in Frankreich leben eben Frankreich.

    Eine gewisse Homogenität ist für die meisten Menschen aber notwendig, um Heimat erleben und leben zu können.

    Homogenität sollte allerdings nichts mit der Herkunft zu tun haben. Ich habe nichts gegen Homogenität. Auf eine Convention gehe ich auch, um Leute zu treffen, die die gleichen Sachen guten finden, wie ich, aber es ist mir egal, ob sie neben mir aufgewachsen sind, oder ihre Eltern vom anderen Ende der Erde kommen!
    Wenn ich gerne Posaunen und Akkordeon höre und es mag in den Bergen wandern zu gehen und Sauerkraut zu essen, dann wäre ich doch total homogen in Teilen Deutschlands auch wenn ich zehn mal aus der Mongolei komme. Und wenn ich das Gefühl habe mich an einem Ort wohl zu fühlen, wo alles ganz anders ist, als dort, wo ich herkomme, ich dort also gar nicht „homogen“ wäre und es mir trotzdem gefallen würde, dann ist das doch meine „Heimat“. (Home’s where the heart is.)
    Und von einem anderen Winkel betrachtet kann mensch doch auch ein Heimatgefühl aufbauen, wenn plötzlich in den Alpen Tango getanzt wird und mensch sich zur Begrüßung verbeugt statt sich die Hand zu reichen. Das wäre vielleicht nicht wie vor 5 Generationen, aber warum sollte mensch sich damit denn weniger identifizieren können, wenn mensch so aufwächst?

  12. 12 Michel 25. September 2011 um 13:29 Uhr

    Ich habe nämlich erklärt, dass ich den Begriff der/des „Bio-Deutschen“ sinnvoll finde zu verwenden, weil dieser das Verhältnis zwischen vermeintlich „richtigen“ und „falschen“ Deutschen aufzeigt und dieses als rassistisch entlarft.

    Und dem halte ich entgegen: Warum soll es „sinnvoll“ sein, die verkehrte Vorstellung von Eingeborenen als die echteren Volksteile zu verdoppeln? Es schreckt einen eingebildeten Bio-Deutschen doch gar nicht, wenn man ihn so nennt – ganz im Gegenteil (s.o.). Der sagt dann zwar nicht Rassismus dazu, aber an den Unsinn, dass Menschen auf einem bestimmten Territorium schon wegen ihrer Herkunft/Abstammung zusammengehören würden, will ein Nationalist glauben – sonst müsste der sich eingestehen, dass auch er von einer Staatsgewalt zum Volksmitglied gemacht wird, ganz ohne gefragt zu werden! Und wer ohnehin etwas gegen die quasinatürliche Zuordnung / Sortierung von Leuten hat, den provoziert das Bio-Zertifikat auch nicht.

    Ich denke also, es ist sinnvoller ‚nationale Identität‘ o. Ä. zu prüfen/kritisieren, weil die Vorstellungen von Bio- oder Pass-Deutschen sich einem Interesse an Identifikation mit der eigenen Nation verdanken, indem die Einigkeit des Volkes beschworen wird. (Wenn man dann deutsche Demonstranten neben deutsche Polizisten stellt, deutsche Bettler neben deutsche Banker oder deutsche Bayern neben deutsche Ostfriesen, könnten einem schon erste Zweifel kommen, ob „die“ Deutschen in der realen Welt irgendetwas gemeinsam haben!) Der Rassismus ist nur die quasinatürliche Verlängerung dieses Beschlusses, Menschen hinsichtlich ihrer nationalen Zugehörigkeit zu beurteilen. Mit der Provokation „Bio-Deutscher“ kritisiert man das nicht.

  13. 13 Biodeutscher 25. September 2011 um 21:55 Uhr

    Das ist hier ’ne intellektuelle Nullnummer und die nicht die Mühe einer ernsthaften Debatte wert. Typisch Linke halt. Tschüss.

  14. 14 Michel 26. September 2011 um 16:30 Uhr

    OK, etwas weniger intellel:

    Ob Sprache, Herkunft oder Rassenzugehörigkeit als nationales Merkmal herangezogen werden, ist dem Liebhaber seiner Nation gar nicht so wichtig. Rassisten behaupten ja nicht aus demselben Holz geschnitzt zu sein wie ihre „Landsleute“, weil sie Naturwissenschaftler wären. Die Überzeugung von „gleicher Art“ zu sein wegen der gleichen Nationenzugehörigkeit unterschlägt u.a. sämtliche Kriege, die dieses Ergebnis hervorgebracht haben. Manch Rheinländer wäre beinahe Franzose geblieben und ein paar Polen glauben heute noch, sie seien Ostpreußen usw.

    Kurz: Das „Wir Deutsche“ (oder Franzosen etc.) ist erstens eine haltlose Fantasie und zweitens eine große Dummheit, die nur deswegen immer mit Natur „begründet“ wird, um die Parteinahme fürs eigene Vaterland zu immunisieren. Die rassistischen Blödheiten folgen also dem nationalistischen Fehler, das „große Ganze“ zu beschwören, die Nation.

  15. 15 Biodeutsche Nullnummer 04. Oktober 2011 um 8:32 Uhr

    Der Biodeutsche möge sich wegtrollen. Einfach mal Argumente prüfen und kritisieren. Aber nein, hier wird sich lieber über fiese Linke ausgeheult, die den armen Deutschen angeblich ihren gesunden Nationalismus verbieten.

  16. 16 NDM 05. Oktober 2011 um 23:42 Uhr

    Ganz klar: Der Begriff „Biodeutsch“ zielt darauf ab, dem Begriff „Deutsch“ eine biologische Definitionssphäre zu verpassen. Das ist abzulehnen, da es reine Ideologie und mit keiner Wissenschaftsdisziplin vereinbar ist.

  17. 17 olli 06. Oktober 2011 um 8:07 Uhr

    ndm, bea hat oben doch genau geschrieben, warum der begriff passt:

    „Es handelt sich bei dem Wort „Bio-Deutsche“ also nicht um einen analytischen Begriff, der etwa festschreiben würde wer nun ein „richtiger“ und ursprünglicher Deutscher ist, sondern um eine Art Persiflage und den Versuch dem gängigen Verständnis von „Deutsch-Sein“ einen Spiegel vorzuhalten und dieses Verständnis im besten Fall sogar zu verändern.“

  18. 18 Michel 06. Oktober 2011 um 15:58 Uhr

    @olli

    Stimmt schon, den meisten dürfte klar sein, dass die Vorsilbe ‚Bio‘ für eine Rassismuskritik steht. Echte Rassisten unterstellen ja einfach diese (quasi-)biologischen Zusammenhänge, ohne überhaupt von der Natur „DES Asiaten“, „DER Blondine“ oder „DES Schwarzen“ reden zu müssen. Insofern soll die sprachliche Betonung „Bio“ die Sortierung von Menschen anhand ihrer natürlichen Eigenschaften karikieren.

    Mein Einwand dagegen ist also nicht, dass ironisch Gemeintes wie z.B. „Bio-Blondine“ als rassistisch missverstanden werden könnte, sondern meine Kritik lautet:

    1. Rassisten lassen sich gar nicht damit blamieren, dass man deren Naturalisierungen „entlarvt“. Ganz im Gegenteil: Die meisten fühlen sich doch mit der persiflierten Natürlichkeit ihres Staatsbürgerdaseins nicht provoziert, sondern gebauchpinselt, weil sie gerne STOLZ drauf sind z.B. „Bio-xy“ zu sein. Was ist, wenn die, denen ein Spiegel vorgehalten werden soll, sich darin gefallen? (s. nickname „Bio-D“)

    2. Dafür dass die Verarschung mit „Bio“ sowieso nur ein Scherz unter Rassismuskritikern ist, ist der etwas zahnlos: „Haha, orthodoxe Rassisten entnehmen ihre Kriterien der Natur. Sind die nicht blöd?!“ Klar sind Rassisten doof und man kann/sollte auch deren Biologie-Missbrauch nachweisen, der besteht in der Unterstellung, die (unabwendbare) Natur würde z.B. das Deutsch-Sein hervorbringen.

    Aaaber den „Bio-Deutschen“ gibt es ja nicht nur als rassistische Ideologie, biologische Abstammung und Familienzusammenhänge werden von den Nationen auch TATSÄCHLICH als Kriterien gehandelt: In einem bestimmten Land geboren zu sein oder dort Eltern zu haben, macht einen IN DER WIRKLICHKEIT (also per Gesetz) zum Staatsbürger dieses Landes. Eine Entscheidung woanders leben zu wollen, bedarf der Genehmigung mindestens zweier Staatsgebilde. Deswegen können es sich Rassisten auch so einfach machen, die zeigen bloß auf sich und sagen: Siehste, typisch xy!

    … und wer will einem Bio-Deutschen schon widersprechen, wenn der sich dafür hält?!!! Da wäre es zu wenig empört „Igitt, biologische Merkmale“ zu rufen. „Bio-Neger“ würde genauso wenig rassistische Vorurteile angreifen, sondern bloß sprachlich das Ressentiment gegenüber Schwarzen verdoppeln – wenn auch in kritischer Absicht.

  19. 19 ekb 06. Oktober 2011 um 17:03 Uhr

    Also früher hieß das noch Volksdeutscher.

  20. 20 Michel 07. Oktober 2011 um 14:14 Uhr

    Den Vorwurf der Volkstümelei fände ich treffender als die Vorsilbe „Bio-“. Völkisches Denken anzuprangern („du eingebildeter Volksdeutscher“) legt wenigstens noch nahe, wie jemand auf Biologismus kommt: der hat einen nationalistisch motivierte Volksvorstellung im Kopf, die mit Natur, Abstammung oder Herkunft ausgemalt wird.

  21. 21 Weltmensch 04. November 2011 um 10:58 Uhr

    Wer so tut als w#re er der aufrechteste Deutsche, Wer so tut als wäre er die Vollkommenheit aller Menschen, Wer so tut als wäre er so rein wie kein anderer Mensch dem muß ich sagen: „Was Bist du für ein elender Heuchler und Lügner!“

    Du ißt Lebensmittel die aller Welt in den Kakao, Gewürze, Getreide enthalten sind.
    Du trinkst Cola, Kaffee, Tee der aus der ganze Welt hergestellt, weiterverarbeitet, produziert und gehandelt wird. Und das ist auch gut so.
    Du kleidest dich mit den Blue-Jeans wo das Produkt in Teilen der Türkei, Indien und Bangladeshs hergestellt und durch Amerika vertrieben wird.

    Wie kannst du dann noch behaupten das du ein so reiner Deutscher bist? Du benutzt schließlich Güter wie alle anderen auch die aus aller Welt kommen.

    Also hör endlich auf so zu tun als wärst du etwas besseres!!!

  22. 22 Reisender 24. April 2012 um 9:49 Uhr

    Ich bin über diesen weblog gestolpert auf der Suche nach einer Definition des Begriffs „Bio-Deutsche(r)“, mit dem ich absolut nichts anfangen konnte (sind das Leute, die Bio-Müsli futtern?).

    Dieser Begriff sagt mehr über die Desorientierung seiner Fans aus, als daß er irgendwie hilfreich, konstruktiv oder sonstwie problemlösend wäre.

    Zunächst: Deutschsein – das wissen Sie nicht, was das ist? Nein, der deutsche Paß allein reicht nicht – es sollte auch schon eine gewisse Hinwendung, zumindest ein gewisses Verständnis und Wissen um unsere Kultur vorhanden sein – mit Begriffen wie Bach, Haydn, Mozart, Goethe, DIN, Neuschwanstein, Heiligabend, etc. sollte man schon etwas anfangen können.

    Umgekehrt wandert man ja auch nicht in ein Land aus, mit dem man nichts am Hut hat – das ist doch nun nicht so schwer zu verstehen, oder?

    Und es ist schlicht und simpel dies, was von Einwanderern erwartet werden kann; andere Länder tun dies schließlich auch, und zwar zurecht.

    Nun gibt es in Deutschland jede Menge Ausländer, die sich integriert haben, ein guter Teil hat denn auch die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Es gibt irgendeine Statistik, in der davon die Rede ist, daß 15% der „Migranten“ hier eine Verweigerungshaltung einnehmen. Das heißt: Bei den anderen 85% klappt es.

    Und vor diesem Hintergrund will man nun also dem umgekehrten Rassismus fröhnen. Na dann, viel Spaß dabei.

    Merke: Wer mit Nazis nichts zu tun haben will, sollte sich nicht deren Methoden (u.a. der Ausgrenzung) bedienen. Danke.

  23. 23 bea 06. Mai 2012 um 23:11 Uhr

    Wenn ich mich nicht vertan habe, war das dann wohl der erste NS verharmlosende Nazivergleich, den mir auf diesem Blog jemand gemacht hat. Herzlichen Glückwunsch und danke für’s Gespräch.

    Im Übrigen könntest du ja mal versuchen eine richtige Definition von „deutsch“ aufzustellen, wenn du schon so fleißig am definieren bist. Nur „Goethe“ als Name zu nennen ist schon sehr schwach und reicht vermutlich nicht für einen Eintrag im Brockhaus. Aber sollte dir nichts besseres einfallen als irgendwelche deutschen Namen aufzuzählen, solltest du wenigstens auch konsequent sein und Personen wie Wagner oder Hitler mit aufzählen.

  24. 24 bea 29. Juli 2013 um 1:05 Uhr

    Auf diesem Blog werden keine Verharmlosungen des NS oder der Shoah geduldet. Aus diesem Grund wurde der letzte Kommentar eines gewissen Randolph von Trier gelöscht. Folgende werden ohne weiteren Kommentar entfernt.

  25. 25 Pommes Frites 16. August 2013 um 0:08 Uhr

    Der Begriff ist eine echte Bereicherung der Sprache. Biodeutsch ist ja auch ein schöner satirischer Kommentar zu den Grünen und ihren Wählern, die als abstiegsgefährdete Mittelklasse mittlerweile überwiegend spießiger als ihre Eltern sind. Die Scheinheiligkeit des ökologischen Gewissens.
    Auch die Behauptung biodeutsch sei „rassistisch“ kann man als Ausdruck einer gewissen Humorlosigkeit interpretieren.

  26. 26 zachi 29. August 2015 um 17:37 Uhr

    Ich hab jetzt mal eine Frage an die „deutsch soll deutsch“-Bleiben Vertreter: Bis ins wievielte Glied muss die Familie mütterlicher- und väterlicherseits denn hier in Deutschland ihre Wurzeln haben? Reicht die eigene Geburt in Deutschland? Müssen Mama und Papa auch hier geboren sein, die 2 Omas und 2 Opas, die 4 Uromas und 4 Uropas, usw, usw?
    Lieber Rudolf Adams: Die „Deutschen“ sind nicht hier seit Millionen von Jahren. Die Deutschen „entstanden“ aufgrund von Völkerwanderung. Die Kelten zogen weiter, aber das war schon recht spät. Unsere christliche Kultur ist römischen Ursprungs (Konstantin);(das sind die, die schon ganz schön braune Augen und dunkle Haare haben). Die Römer habens von Paulus, der kam aus dem Nahen Osten und hatte rüber gemacht. Und als im Südosten schon Hochkulturen existierten, lebten wir tugendhaften, erfindungsreichen Deutschen noch in Hütten. Aber auch erst seit ca. 5.000 v.Chr. Aber immerhin Hütten! Da kam nämlich aus dem Südosten Ackerbau und Viehzucht zu uns, das haben wir ja nicht erfunden. Selbst im Mittelalter, als im nahöstlichen Raum bereits Gerätschaften wie Sextanten benutzt wurden, wurde man hier an den Pranger gestellt, wenn man behauptete, die Erde sei eine Kugel.

  27. 27 bea 27. November 2015 um 22:22 Uhr

    Rudolf Adems meinte neben anderem rassistischen Blödsinn, dass die „Tugenden Fleiß, Disziplin, Erfindergeist“ im deutschen „Erbgut“ begründet lägen und daher exklusive Eigenschaften seien.
    Der Kommentar wurde daher gelöscht.

  28. 28 Bernd 05. Februar 2016 um 9:43 Uhr

    Ich glaube, so eine Debatte kann es nur in Deutschland geben.Kein Wunder, dass uns im Grunde alle mißtrauen. Wie ein Staatsmann (Churchill?)schon mal sagte:Entweder sie küssen dir die Füsse oder du hast sie an der Gurgel.
    Vernünftiges Mittelmaß geht bei uns schon mal garnicht !

  1. 1 Ein Schuh für Schäuble » Sigmar Gabriel und der biodeutsche Gensalat | Pingback am 06. Oktober 2011 um 19:50 Uhr

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