Freude über den Tod Osama bin Ladens

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.“ Angela Merkel1

Zu einem demokratischen Staat, der nicht nur formal als solcher gelten möchte, gehört nicht nur ein funktionsfähiges Parlament, eine Gewaltenteilung und das Prinzip der Rechtstaatlichkeit, sondern auch eine gesellschaftliche demokratische Kultur. Doch nicht nur das. Demokratie sollte sich immer auch veräußerlichen und sich im außenpolitischen, staatlichen Handeln widerspiegeln.

Wenn jetzt ein Großteil der außernpolitischen Akteure der sog. westlichen Welt anfängt zu feiern, weil der seit mehr als einem Jahrzehnt gesuchte Terrorist und al-Qaida-Gründer Osama bin Laden erschossen wurde, dann offenbart sich so einiges, jedoch nicht das, was ich mir unter demokratischer Kultur vorstelle und noch weniger was ich mir aus einer zivilisierten und humanistischen Sicht auf die Welt wünschen würde.

Die Tatsache, dass ein Mensch erschossen wurde ist tragisch und kann bei solchen Operationen immer vorkommen. Da jedoch zu diesem Zeitpunkt immernoch nur wenige Informationen über den genauen Ablauf der Operation vorliegen, bleibt es Spekulation, ob es denn wirklich nötig gewesen sei, bin Laden zu erschießen. Laut einem Sprecher des Weißen Hauses sollte bin Laden jedoch festgenommen und nicht getötet werden. Wieso dies nicht funktionierte, obwohl er angeblich unbewaffnet war, wird sich vielleicht im Laufe der nächsten Tage und Wochen aufklären.

Wieso hingegen auf eine bestimmte Art und Weise auf den Tod eines Menschen reagiert wird, nämlich auf eine sehr perfide, eine die Würde des Menschen nicht achtende, wird zu mindest mir ein Rätsel bleiben. Zwar versuchen Institutionen wie die EU in ihrer Rhetorik eine gewissen Authentizität bezüglich des Hochhaltens großer Prinzipien, wie z.B. den allgemeinen Menschenrechten, zu vermitteln. Doch einer Überprüfung anhand ihrer eigenen Praxis halten sie meistens nicht stand (hier können auch andere Beispiele herangezogen werden, wie der Umgang mit Flüchtlingen und MigrantInnen).

Auch scheint in dieser Hinsicht keine Weiterentwicklung, sondern eher eine Verschlechterung stattzufinden. So wurden im Jahr 2006, als Saddam Hussein nach seinem Prozess im Irak zum Tode verurteilt und gehängt wurde, zumindest noch Vorbehalte und Ablehnungen gegen die Todesstrafe von Seiten der EU und auch von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert – auch wenn die Hinrichtung im selben Atemzug auch schon wieder als gerecht bezeichnet wurde.2

  1. Reuters.com [zurück]
  2. DerStandard.at [zurück]

3 Antworten auf „Freude über den Tod Osama bin Ladens“


  1. 1 Sunna 16. September 2011 um 22:40 Uhr

    Bei Studio Friedman wurde sich diesem Thema auch mal angenommen und es wurden einige auch hier angesprochene, interessante Aspekte genannt.
    Zu sehen ist die Sendung auf der Seite http://mediencenter.n24.de/?deepLink=screen/listScreen/search/studio%20friedma unter dem Titel „Die Amerikaner feiern den Tod des Teufels“

  2. 2 oriolusoriolus 17. November 2011 um 17:00 Uhr

    Dass Osama sich mit Haut und Haaren der Vernichtung von Humanität und Zivilisation verschrieben hat, stürzt deinen Rest-Idealismus nicht in Widersprüche?

  3. 3 bea 18. November 2011 um 16:11 Uhr

    Ich kann die Frage nicht ganz nachvollziehen bzw. verstehe ich sie nicht in Hinblick auf den Artikel. Ich sage doch nur, dass es von einem zivilisatorischen Standpunkt aus nicht haltbar ist Tötungen abzufeiern. Der Widerspruch tritt auf, wenn man sich als (Teil von) Zivilisation begreift und trotzdem einen Satz wie „ich freue mich, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten“ über die Lippen bringt.

    Wo siehst du nun den Widerspruch in Bezug auf den Artikel?

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